Marcus Hölz hat mit der gemeinnützigen AiS inklusiv gGmbH in Mössingen ein einzigartiges Unternehmen aufgebaut. Es verbindet den Erhalt der Mössinger Streuobstwiesen mit der Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Die Pflege der Kulturlandschaft und die Herstellung und Vermarktung der Produkte macht die Beschäftigten des Inklusionsbetriebes zu Dienstleistern und Gastgebern. Es bringt sie dorthin, wo sie hingehören: in die Mitte der Gesellschaft.
AiS inklusiv gGmbH, Mössingen
AiS inklusiv gGmbH: In die Mitte der Gesellschaft
Seit dem Dreißigjährigen Krieg sind Streuobstwiesen eine wichtige Nahrungs- und Einnahmequelle. Mit der Industrialisierung ging deren Bedeutung zurück. Nicht so in Mössingen: Die große Kreisstadt zählt heute noch ca. 40.000 Obstbäume. „Diese Kulturlandschaft bleibt jedoch nur erhalten, wenn sie gepflegt und genutzt wird“, erläutert Marcus Hölz, Geschäftsführer der 2018 gegründeten AiS inklusiv gGmbH. Dabei steht „AiS“ für „Arbeit in Selbsthilfe“.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen die Pflege der Bäume und ernten die Früchte – keine leichte Arbeit. Die sogenannten Grünteams rücken bei jedem Wetter aus. Dabei werden im Sinne einer Kreislaufwirtschaft alle anfallenden Stoffe wie zum Beispiel das Heu der Mahd, das Obst, die Rückstände der ausgepressten Früchte und das Holz, das bei der Baumpflege anfällt, vollständig verwertet. Das Obst selbst wird verkauft oder zu Säften und Marmeladen verarbeitet und in eigenen Läden und Cafés vermarktet.
Diese Kulturlandschaft bleibt jedoch nur erhalten, wenn sie gepflegt und genutzt wird
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen die Pflege der Bäume und ernten die Früchte – keine leichte Arbeit. Die sogenannten Grünteams rücken bei jedem Wetter aus. Dabei werden im Sinne einer Kreislaufwirtschaft alle anfallenden Stoffe wie zum Beispiel das Heu der Mahd, das Obst, die Rückstände der ausgepressten Früchte und das Holz, das bei der Baumpflege anfällt, vollständig verwertet. Das Obst selbst wird verkauft oder zu Säften und Marmeladen verarbeitet und in eigenen Läden und Cafés vermarktet.
Überall in den verschiedenen AiS-inklusiv-Betrieben finden Menschen mit Behinderungen einen sicheren und passenden Arbeitsplatz. „Für viele von ihnen gibt es auf dem ersten Arbeitsmarkt zu wenige Angebote“, begründet Hölz die Gründung des gemeinnützigen Unternehmens. „Diese Lücke wollen wir so weit wie möglich schließen.“ Wenn eine Stelle zu besetzen ist, werden in Gesprächen und bei Probearbeiten die Fähigkeiten und Potenziale der Bewerberinnen und Bewerber ermittelt. „Für viele ist das eine neue und großartige Erfahrung. Denn nicht ihre vermeintlichen Defizite, sondern das, was sie leisten können, steht im Mittelpunkt.“ Einige können gut mit Stress umgehen und haben kein Problem, auch bei Hochbetrieb in einem der Cafés zu arbeiten. Andere hingegen benötigen ein ruhiges und stabiles Umfeld, um ihre Leistung zu erbringen.
Mit einem Arbeitsplatz sind Menschen mit Behinderungen dort angekommen, wo sie nach Meinung von Hölz hingehören: „In der Mitte der Gesellschaft haben sie ihren Platz gefunden.“ Die mittlerweile 70 Beschäftigten – davon 34 Menschen mit Behinderungen – sind Gastgeber und Dienstleister. Sie werden von den Gästen und Kunden als solche wahrgenommen. Entsprechend werden an sie Ansprüche gestellt: „So ist es im Café wichtig, dass der Kaffee zeitgleich mit dem Kuchen serviert wird“, erläutert Hölz. „Und die Produkte, die wir verkaufen, müssen schmecken und hochwertig sein.“
Hölz schätzt an seinem Beruf vor allem den Umgang mit den Beschäftigten. „Ich mag es, Menschen voranzubringen.“ Ebenso sind die Handlungsspielräume für ihn eine Bereicherung: „Inklusionsarbeit ist zu einem wesentlichen Teil Networking, um die Ressourcen für die Menschen in der Region zu bündeln.“ Auf diese Weise haben sich die Stiftung KBF und die Vereine HFB und ASB als Träger für die AiS inklusiv gGmbH zusammengefunden. AiS arbeitet eng mit kommunalen Entscheidern, mit den Besitzerinnen und Besitzern der Streuobstwiesen und mit vielen anderen regionalen Akteuren, die sich für die Streuobstwiesen und für Inklusion einsetzen, zusammen.
Doch auch wenn man sich zu großen Teilen selbst finanziert, bleibt die Hilfe durch die öffentliche Hand wichtig. Gerade für schwierigere Zeiten, findet Hölz, braucht es eine zuverlässige Unterstützung, damit das bisher Erreichte erhalten und weiter aufgebaut werden kann: „Darüber hinaus ist Inklusion eine angesichts des Arbeitskräftemangels unverzichtbare Investition“, ist er überzeugt: „Jedes Unternehmen sollte ein Inklusionsbetrieb sein.“