Er will seine Batterieaggregate nicht als Ersatz für Verbrennungsmotoren verstanden wissen. „Unsere Produkte sind im Vergleich zu kleinen Verbrennungsmotoren einfach die bessere Alternative“, ist Sebastian Berning überzeugt. Deshalb sieht der Mitgründer der Instagrid GmbH in Ludwigsburg in den bisher 35.000 verkauften Einheiten und den mittlerweile mehr als 250 Mitarbeitenden eine Erfolgsgeschichte mit Potenzial nach sehr weit oben.
Instagrid GmbH, Ludwigsburg
Instagrid GmbH: Die bessere Alternative
Vordergründig gesehen hatte Sebastian Berning seinen Unternehmergeist schon immer in sich. Als Schüler trug er Zeitungen aus und mähte für die Nachbarn den Rasen. Später erstellte er Webseiten und programmierte. „Ich will immer etwas Neues lernen.“ So kam er auch nach dem Studium zu seiner Promotion. „Der Doktortitel hat mich weniger interessiert als das Thema und die Zusammenarbeit mit den großartigen Wissenschaftlern am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.“ Schließlich gründete er 2018 gemeinsam mit Andreas Sedlmayr die Instagrid GmbH in Ludwigsburg. „Am Anfang hatten wir keine Ahnung, ob das, was wir bauen wollten, überhaupt funktionieren kann. Aber gerade das hat uns gereizt.“
Weltweit arbeiten jeden Tag Millionen Menschen mobil
Saubere Energie tragbar machen: Das war die Mission der beiden Gründer. „Weltweit arbeiten jeden Tag Millionen Menschen mobil“, erläutert Berning. Sie arbeiten mit ihren Geräten auf Baustellen, auf Festivals, im Rettungseinsatz und an Filmsets und setzen dabei Generatoren mit fossilen Brennstoffen ein. „Der Schadstoffausstoß von jedem dieser Generatoren entspricht in etwa dem von 100 modernen Pkw-Motoren.“ Als Alternative bieten die Gründer ihre mobilen 230-Volt-Batteriegeräte mit patentierter Technologie, die an jedem Ort der Welt betrieben werden können. Die Herausforderung bei der Entwicklung war, auch Schweiß- und andere energieintensive Schwerlastgeräte einen ganzen Tag lang mit Strom zu versorgen und schnelle Ladezeiten über eine normale Steckdose zu ermöglichen. Die technische Lösung hat viele überzeugt. Kunden von Instagrid schonen die Umwelt und nicht zuletzt die Gesundheit der Arbeitskräfte. Doch als Ersatz will Berning die Instagrid-Technologie nicht verstanden wissen. „Wir bieten einfach die bessere Lösung“, ist er überzeugt. 35.000 Batteriesysteme hat das Unternehmen bereits produziert und weltweit verkauft.
Neben der Technologie, die von Grund auf neu entwickelt wurde, galt es zu lernen, wie eine Firma funktioniert. „Seit der Gründung erfinden wir das Unternehmen jedes Jahr einmal neu“, berichtet Andreas Sedlmayr von dem stürmischen Wachstum der letzten sechs Jahre. Wirtschaft und Gesellschaft haben sich in dieser Zeit enorm verändert. Mit den ersten Mitarbeitenden entwickelten die beiden Gründer eine Unternehmenskultur, die trotz der dynamischen Entwicklung unverändert ihre Gültigkeit hat. Vom Standort Baden-Württemberg ist Berning überzeugt: „Das ist einer der besten Orte der Welt, um ein Unternehmen zu gründen.“ Er erinnert sich nicht, dass sie jemals Angst vor dem Scheitern gehabt hätten: „Mit unserer Qualifikation hätten wir wahrscheinlich schnell wieder einen Arbeitsplatz gefunden.“
Privat gingen Berning und Sedlmayr mit ähnlichen Voraussetzungen an den Start. Beide hatten jeweils zwei Kinder und mussten die Gründung und die Familie unter einen Hut bringen. „Es schadet nichts, als Gründer etwas älter zu sein“, meint der heute 42-Jährige Berning. Insgesamt beurteilt er sich und seinen Gründungspartner als die vermutlich langweiligsten Gründer der Welt. „Wir bringen fast jeden Tag die Kinder in die Schule, gehen zur Arbeit und sind am Abend wieder zu Hause.“ Auch große Erfolge werden klein gefeiert: „Nach dem erfolgreichen Abschluss einer über Monate hinweg vorbereiteten großen Finanzierungsrunde sind wir zum Feiern einfach auf den Weihnachtsmarkt gegangen.“