Künstliche Intelligenz auf Chips erkennt Schlaganfälle, beurteilt den Verschleiß von Maschinenteilen und regelt die Kochplatte herunter, bevor das Essen anbrennt. „Damit die KI das kann, muss sie allerdings mit vielen Daten trainiert werden“, erläutert Viacheslav Gromov, Gründer der AITAD GmbH. Das Offenburger Unternehmen entwickelt KI-Software und produziert die passenden Mikrochips und Sensoren. An den Menschen in der Ortenau schätzt Gromov die Offenheit: „Jüngst hörte ich einen Mitarbeiter, der erst vor sechs Monaten aus Indien zu uns gekommen ist, das Badnerlied singen.“
AITAD GmbH, Offenburg
AITAD GmbH: „Über Wettbewerber würde ich mich freuen.“
Viacheslav Gromov war 10 Jahre alt, als er mit seiner Mutter von Moskau nach Offenburg kam. „Ich kannte die Sprache nicht und musste mich in einer Auffangklasse mit Schülern zwischen acht und 18 Jahren durchkämpfen“, erinnert er sich an seine Anfangszeit in Deutschland. Zum Glück gab es den Nachbarn, einen pensionierten Gymnasiallehrer, der bei den kurzen Begegnungen im Treppenhaus das Potenzial des Jungen erkannte. Er bat seinen ehemaligen Schulleiter, dem talentierten Kind auf dem Gymnasium eine Chance zu geben. Gromov bekam und nutzte sie und gründete nach seinem Abschluss mit 19 Jahren die AITAD GmbH in Offenburg.
„Wir bringen autarke KI-Algorithmen auf günstigen Mikrochips unter“, erläutert der heute 25-Jährige das Geschäftsmodell. Das hat große Vorteile in puncto Schnelligkeit und Sicherheit, denn die ‚Embedded-KI‘ kommt ohne Internetkommunikation aus. Ein weiterer Vorteil: Es gibt keine Probleme beim Persönlichkeits- und Datenschutz. Schon bei der Entwicklung spielt die Datensicherheit nach Gromovs Erfahrungen eine große Rolle: „Damit eine KI optimal und sicher funktioniert, muss sie mit den Daten unserer Kundenunternehmen trainiert werden. „Von der Entwicklung der KI bis zur Herstellung der KI-Sensors bleibt zur Sicherheit alles in unserer Hand.“
Wir bringen autarke KI-Algorithmen auf günstigen Mikrochips unter
Die KI-Sensoren von AITAD dienen der Personen-, Sprach- und Gestenerkennung in Branchen wie zum Beispiel Automotive, Maschinenbau oder Medizintechnik. „Wir haben Anfragen von Notaufnahmen von Unikliniken, wie man datenschutzgerecht Personen mit Schlaganfall oder Herzinfarkt für die schnelle Erstversorgung erkennen kann“, nennt Gromov ein Beispiel und betont: „Wir wählen kleinere Projekte wie dieses auch nach ethischen Gesichtspunkten aus und können das erworbene Wissen in anderen Bereichen wie dem Insassenmonitoring im Auto nutzen.“ Auch zum Schutz der Privatsphäre ist Embedded-KI geeignet: Der KI-Sensor im Duschkopf erkennt, welche Person gerade duschen will und stellt Wasserdruck und -temperatur automatisch ein, ohne Bilddaten zu erfassen. Und wenn das Essen auf dem Herd anzubrennen droht, „riecht“ das die KI und reguliert automatisch die Temperatur nach unten.
Gromov sieht in der KI eine große Chance für Baden-Württemberg: „Die Industrie im Südwesten hat durch ihre technologische Vielfalt einen Schatz an wertvollen Daten, den die Unternehmen für ihre Produkte und Angebote nutzen können.“ Damit das möglich wird, sollte es weitere Anbieter wie AITAD geben, findet Gromov: „Ich sehe im Moment leider noch keine Wettbewerber, die wie wir das komplette Spektrum an sicherer Entwicklung, sicherem KI-Training und sicherer Produktion abdecken.“
Auch beim Aufbau des Unternehmens ging Gromov seinen eigenen Weg. „Das Geld muss vom Kunden kommen.“ Deshalb stellte er neue Mitarbeitende immer dann ein, wenn es neue Kunden und Projekte gab. AITAD bietet heute 30 Arbeitsplätze. Für den weiteren Personalaufbau mit Beschäftigten aus aller Welt ist die Offenheit und Integrationsfähigkeit der Menschen in der Region sehr wichtig: „Kürzlich hat ein Kollege, der aus Indien stammt und der erst sechs Monate bei uns ist, das Badnerlied gesungen.“ Die Weichen sind, nachdem sich AITAD um aktuell um 180 qm Hallenfläche erweitert hat, auf weiteres Wachstum gestellt: „Wir sind für weitere 1.000 qm vorgemerkt.“