Kreislaufwirtschaft ist in der Baubranche immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Um das zu ändern, gründete Dominik Campanella zusammen mit Julius Schäufele, Marc Haines und Ulrike Schock die Concular GmbH in Stuttgart. Ihnen geht es nicht nur darum, gebrauchte Baustoffe für neue Bauprojekte zu retten. Vielmehr, so ihre Vision, soll durch konsequente Kreislaufwirtschaft die gesamte Bauwirtschaft nachhaltiger werden.
Concular GmbH, Stuttgart
Concular GmbH: Lobbyisten für die Kreislaufwirtschaft
Wer Dominik Campanella treffen will, findet ihn auf einer Baustelle, bei einem Vortrag oder beim Joggen. „Damit sind meine Tage schon sehr gut beschrieben“, schmunzelt der heute 31-Jährige, der 2020 zusammen mit Julius Schäufele, Marc Haines und Ulrike Schock die Concular GmbH in Stuttgart aus der Taufe hob. Nebenberuflich hatten die Gründer und die Gründerin schon ein Portal aufgebaut, über das vor allem Privatleute gebrauchte Baumaterialien anbieten und kaufen konnten. Mit Concular sollte es schließlich gelingen, auch die Bauwirtschaft für die Wiederverwertung von gebrauchten Baustoffen zu begeistern. „Unsere Vision ist ein digitales Ökosystem für zirkuläres Bauen, Betreiben und Sanieren von Gebäuden“, erläutert Campanella.
Unsere Vision ist ein digitales Ökosystem für zirkuläres Bauen, Betreiben und Sanieren von Gebäuden
In einem zum Abriss freigegebenen Gebäude lässt sich beobachten, wie er und das mittlerweile 60-köpfige Team diese Vision umsetzen. „Wir sehen hier nicht Abfall, sondern wiederverwendbare Baumaterialien.“ Direkt in die Datenbank von Concular werden mit einer eigens dafür entwickelten Smartphone-App verwertbare Gipswände und Steine, aber auch Elemente wie Fenster, Heizkörper, Deckenleuchten und Fliesen vermessen, bewertet, erfasst und den Interessenten auf dem Portal angeboten. Im Optimalfall wird alles vom Abrissgebäude direkt zu den Baustellen der Käufer geliefert und dort wiederverwertet.
Das klingt einfacher als es ist: „Die am Bauprozess beteiligten Unternehmen müssen zahlreiche Auflagen und Gewährleistungspflichten erfüllen und benötigen zum Beispiel umfangreiche Dokumentationen, um gebrauchte Baustoffe verwenden zu können.“ Doch anstatt den ‚Bürokratiewahnsinn‘ in Deutschland zu bemängeln, schritten die ‚Kreislauflobbyisten‘ zur Tat. Sie entwickelten gemeinsam mit rund 30 Akteuren der Baubranche einen Standard für zirkuläres Bauen. „Viele haben gesagt, das geht nicht“, erinnert sich Campanella. „Dann sind wir hingegangen und haben einen Standard mitentwickelt, der mittlerweile sogar eine DIN-Norm ist.“ Diese DIN SPEC 91484 wird, so hofft er, das zirkuläre Bauen in Deutschland endgültig etablieren. „Siehe da, man kann tatsächlich etwas verändern“, ist der 31jährige sichtlich stolz.
Mit vielen Vorträgen versucht er, diese Veränderung voranzutreiben. „Die Bauwirtschaft ist konservativ geprägt, man muss für Veränderungen werben.“ Wichtig ist zu vermitteln, wie durch Wiederverwertung die Kosten sinken können. „Anstatt für die Deponie zu bezahlen, erwirtschaften die Beteiligten Erlöse“, so Campanella. Insbesondere bei öffentlichen Auftraggebern findet er oft Ansprechpartnerinnen und -partner, die über die Kostenseite hinaus Interesse zeigen: „Hier spreche ich mit Menschen, die über den Tellerrand ihrer Arbeit hinausschauen und neugierig sind.“ Das freut Campanella, denn es geht ihm und seinem Team nicht nur darum, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen: „Wir sind intrinsisch motiviert und wollen mit mehr Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft die Welt ein kleines Stück weit besser machen.“