Unkrautbekämpfung ohne Pestizide: Das wünschen sich viele landwirtschaftliche Betriebe. Doch die aufwendige Handarbeit und der Mangel an Arbeitskräften standen dem lange Zeit entgegen. Die Gründer der farming revolution GmbH Roland Leidenfrost, Markus Höferlin, Maurice Gohlke, Daniel Di Marco und Andreas Mogck lösen dieses Problem mit ihrem Farming GT. Der autonom arbeitende Hackroborter erkennt und entfernt mit Hilfe von KI Unkraut, ohne den Nutzpflanzen zu schaden. Damit die Maschine von Farming revolution unter den oft rauen Bedingungen auf den Feldern perfekt funktionieren kann, leisteten die landwirtschaftlichen Praktiker einen wichtigen Beitrag.
farming revolution GmbH, Böhmenkirch
farming revolution GmbH: Künstliche Intelligenz statt gefährlicher Pestizide
Ob Viehüberwachung mit Drohnen, vollautomatisierte Tierfütterung oder treibstoffsparende Fahrwegoptimierung – in der Landwirtschaft hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Doch ein vollelektrischer Hackroboter, der völlig autonom das Feld von Unkraut befreit, während die Landwirte anderen Arbeiten nachgehen: Das ist neu. „Landwirte sind aufgeschlossen, aber auch sehr anspruchsvoll, was den Einsatz neuer Technologien betrifft“, berichtet Markus Höferlin, der 2019 gemeinsam mit Roland Leidenfrost, Maurice Gohlke, Daniel Di Marco und Andreas Mogck das Unternehmen farming revolution GmbH in Böhmenkirch gründete. „Landwirte wollen in der praktischen Anwendung sehen, dass es funktioniert – und zwar nicht auf einem vorbereiteten Testfeld, sondern auf ihren eigenen Feldern.“ Heute nutzen landwirtschaftliche Betriebe in acht Ländern den Hackroboter Farming GT und betreiben kosteneffiziente Landwirtschaft ohne Pestizide. „Natürlich spielt die Technologie hier eine große Rolle“, so Höferlin. „Aber besonders stolz sind wir darauf, dass wir das Vertrauen und die Mitwirkung der Landwirte gewinnen konnten.“
Landwirte sind aufgeschlossen, aber auch sehr anspruchsvoll, was den Einsatz neuer Technologien betrifft
Die Idee, Pestizide durch Künstliche Intelligenz zu ersetzen, entstand 2014, als die Gründer noch ‚beim Bosch‘ im Bereich Agrarrobotik tätig waren. „Wir wollten der Gesellschaft etwas zurückgeben und sie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen.“ Das Konzept war zunächst ‚Unkraut jäten as a Service‘. Landwirte kauften die den Farming GT also nicht, sondern bekamen ihn für die Arbeit auf ihren Feldern mietweise zur Verfügung gestellt. Heuten können die Kunden die Maschinen sowohl kaufen als auch mieten.
Als Basistugend muss ein Hackroboter Nutzpflanzen von Unkraut unterscheiden können. Das ist keineswegs trivial, sondern in der Entwicklung eine große Herausforderung: „Farming GT wurde mit 18 Millionen Bildern trainiert, um Nutzpflanzen und Unkraut bei verschiedensten Reifegraden, Witterungsbedingungen, Lichtverhältnissen und Verschmutzungsgraden aus unterschiedlichsten Blickwinkeln unterscheiden zu können.“ Nach diesem ‚Training‘ kommt die Künstliche Intelligenz ohne Zugriff auf die Bilddatenbank aus.
Auch die Mechanik ist anspruchsvoll. Die vielen kleinen Arbeitsvorgänge müssen bei feuchter Witterung, Staub, Hitze und hoher Geschwindigkeit zuverlässig funktionieren. Bei den ersten praktischen Versuchen mit den Prototypen des Farming GT testeten die Gründer die ersten Entwicklungen unter den kritischen Augen der Landwirte: „Mit ihren Rückmeldungen konnten wir die Praxistauglichkeit immer weiter verbessern.“ Die entscheidenden Faktoren sind dabei Zeit und Zuverlässigkeit: „Starten, kurz einstellen und los geht’s!“ Der Beitrag der Praktikerinnen und Praktiker führte zum Erfolg: „Heute können die Landwirte unseren Farming GT mit wenigen Handgriffen in Betrieb nehmen und danach andere Aufgaben erledigen, während das Feld vom Unkraut befreit wird.“