Person kniet vor einem Technikregal und prüft mit einem Messgerät elektrische Verbindungen und Kabel.

Off-Grid Europe GmbH, Pfullendorf

Off-Grid Europe GmbH: Freudentränen im Nirgendwo

Christiane Kragh wollte schon immer „etwas Großes“ machen und das Leben der Menschen positiv beeinflussen. Sie und ihr Mann Mark Kragh haben dieses Ziel mit der Gründung der Off-Grid Europe GmbH in Pfullendorf erreicht. Sie elektrifizieren heute mit ihren Energiesystemen senegalesische Krankenhäuser, Unternehmen und ganze Dörfer, die keinen Zugang zum Stromnetz haben. Wenn zum ersten Mal in einem entlegenen Dorf weitab der Stromnetze die Lichter angehen, gibt es bei der Bevölkerung riesigen Jubel. „Und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen die Tränen in den Augen.“

Mehr als 600 Millionen Menschen in Afrika haben keinen Zugang zu Stromnetzen: Ernten verderben mangels Kühlung, Krankenhäuser können nicht zu jeder Tageszeit operieren und Unternehmen müssen mit aufwendigen Generatorsystemen produzieren. „Als mein Mann und ich 2014 die Off-Grid Europe GmbH gründeten, war unser Ziel, das Leben dieser Menschen zu verbessern“, blickt Christiane Kragh auf die Anfänge zurück. Mit heute mehr als 40 Beschäftigten in Pfullendorf und etwa 70 Mitarbeitenden in Dakar, der Hauptstadt Senegals, entwickelt, produziert, montiert und wartet das Unternehmen Batteriespeichersysteme, die Solarstrom speichern und bei Bedarf wieder abgeben können. Mehr als 200 Dörfer im Senegal wurden bereits mithilfe von Off-Grid-Projekten elektrifiziert. Wenn die Teams die Anlagen und Stromleitungen montiert haben und nach oft wochenlanger Arbeit zum ersten Mal die Straßenbeleuchtung einschalten, ist das nicht nur für die 42-jährige Chefin ein magischer Moment: „Die Menschen sind außer sich vor Freude, und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen vor Rührung die Tränen in den Augen.“

Die Menschen sind außer sich vor Freude, und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen vor Rührung die Tränen in den Augen

Über die Stromversorgung hinaus liefert das Unternehmen auch die Technologie für Herausforderungen, die sich mit Strom lösen lassen. Dazu gehört zum Beispiel die Kühlhalle Much Cooler, die mit Solarstrom und Batteriespeicher bis zu 3.000 Tonnen Lebensmittel vor dem Verderben retten kann. Christiane Kragh: „Ohne eine solche Kühlung gehen jährlich bis zu 40 Prozent der Ernten verloren.“ Auch für Unternehmen, die sich ohne Zugang zum Stromnetz mit eigenen aufwendigen Generatoren behelfen, sind die Off-Grid-Lösungen interessant. „Häufig zeigt sich, dass sich die Investitionen nach der Umstellung auf unsere stabilen Systeme sehr schnell amortisieren.“

Zwei Personen arbeiten gemeinsam an einer elektrischen Anlage auf einem Arbeitstisch.

Doch woher kam die Motivation, ein Unternehmen zu gründen? „Ich wollte immer schon etwas Großes aufbauen und das Leben von Menschen positiv beeinflussen“, erzählt Christiane Kragh. Doch neben dem positiven ‚Impact‘, den das Unternehmen heute auf das Leben vieler Menschen hat, sind auch die Herausforderungen einer Unternehmensführung zu bewältigen. „Die Finanzierungen, vor allem von kleineren Projekten, sind häufig ein Problem.“

Kraghs Arbeitstage beginnen früh: Zunächst gilt es, gemeinsam mit ihrem Mann die drei schulpflichtigen Töchter beim Start in den Tag zu unterstützen und sich mit einem Blick in den E-Mail-Account und den Kalender zu orientieren. „Gespräche mit Mitarbeitenden und Partnern, an Meetings teilnehmen, Entscheidungen vorbereiten und neue Initiativen anstoßen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit und das Networking nimmt viel Zeit in Anspruch.“ So war sie mit Außenministerin Annalena Baerbock Teil einer Delegation, die den Senegal und die Elfenbeinküste besuchte.

Bleibt da Zeit fürs Privatleben? „Auch wenn wir viel arbeiten, finden es die Kinder gut, was wir und unser Team für die Menschen leisten.“ Einmal reiste die fünfköpfige Familie in den Senegal und besuchte Off-Grid-Baustellen. „Da waren sie schon beeindruckt.“ Mit ihrem Unternehmen haben Mark und Christiane Kragh große Pläne. Neben dem bisherigen Schwerpunkt Senegal gibt es auch Projekte und Ideen für Angola und Sambia, doch auch über Afrika hinaus ist vieles möglich. „Mit unserer Technologie und unseren motivierten Teams können wir überall dort, wo Menschen abseits der Stromnetze leben, mit unseren Energiesystemen hilfreich sein.“

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