Drei Männer mit „Bock auf Gründung“ finden auf einer Start-up-Veranstaltung das Problem, das zu lösen sich lohnt. So beginnt die Geschichte der vialytics GmbH in Stuttgart, die auch durch Henry Ford zu einer Erfolgsgeschichte wird. „Er wusste, dass man den Kunden gut zuhören und ihre Wünsche erfüllen soll“, so Patrick Glaser, der gemeinsam mit Danilo Jovicic-Albrecht und Achim Hoth weltweit das Straßenmanagement revolutionieren will.
vialytics GmbH, Stuttgart
vialytics GmbH: Ein Problem, das zu lösen sich lohnt
Patrick Glasers Oma wusste schon immer, was aus ihm werden könnte: „Der Patrick,“ sagte sie des Öfteren, „wird mal ein Erfinder, so wie der dauernd die Sachen auseinanderschraubt.“ Und tatsächlich studierte er Maschinenbau. Nach seinem Abschluss betreute für ein großes Unternehmen ein Projekt in China. Nach seiner Rückkehr war er 24 Jahre alt und hätte bei seinem Arbeitgeber eine sehr gute Perspektive gehabt. Doch wie seine Großmutter schon prophezeit hatte, suchte ihr Enkel seinen eigenen Weg: „Ich strebte eine Unternehmensgründung an und suchte dafür nach einem Problem, das zu lösen sich lohnt.“
Ich strebte eine Unternehmensgründung an und suchte dafür nach einem Problem, das zu lösen sich lohnt
Auf einer Start-up-Veranstaltung fand er nicht nur sein Problem, das er fortan lösen wollte, sondern auch die Partner, mit denen ihm das gelingen sollte. „Ich war gemeinsam mit Danilo Jovicic-Albrecht und Achim Hoth in eine Gruppe eingeteilt, die eine Aufgabenstellung zum Thema autonomes Fahren bearbeitete“, erinnert sich Glaser. Die drei waren sofort ein Team: „Bis heute schweißen uns gemeinsame Werte wie Zuverlässigkeit, Offenheit, Vertrauen und Wertschätzung zusammen.“ Zu Beginn war vor allem eines wichtig: „Alle drei hatten wir richtig Bock auf Gründung und wollten etwas bewegen.“
Und wie fanden sie ihr Problem? Zu Dritt führten sie Interviews mit Verantwortlichen in Bauunternehmen und Kommunen. „Schon bei diesen ersten Gesprächen fiel mir auf, was sich später auch bei unseren Kunden zeigte“, so Glaser: Das Monitoring von Straßen und Radwegen wurde noch weitgehend durch Abfahren der Strecken und Notizen auf Papier abgewickelt. Wie konnte man das effizienter gestalten? Glaser und seine Mitgründer waren sofort inspiriert und gründeten 2018 die vialytics GmbH in Stuttgart.
Doch wie löst man ein Problem und baut damit ein Unternehmen auf? „Unsere Stärke ist, dass wir unseren Ansprechpartnern sehr gut zuhören.“ Auf diese Weise erfahren sie immer wieder von zeitaufwendigen Prozessen wie dem manuellen Begutachten und Bewerten von Straßenschäden. Oft haben die Gesprächspartner selbst Ideen, erlebt Glaser in den Kundengesprächen. „Viele davon sind gut und setzen wir gerne um. Das heißt jedoch nicht, dass die beste Lösung immer die ist, die der Kunde haben will.“ Diesbezüglich ist ein Zitat, das Henry Ford zugeschrieben wird, Glasers Leitsatz: „Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.” Stattdessen hat er bekanntlich Automobile entwickelt.
Das „Automobil“ besteht aus der vialytics App und einem Smartphone an der Frontscheibe eines Fahrzeugs. Alle vier Meter nimmt eine Kamera ein Bild von der Straßenoberfläche auf. Mit einem KI-Algorithmus werden Schäden erkannt und in 15 Schadensklassen eingeordnet. „Das ermöglicht eine schnelle und objektive Priorisierung von Erhaltungsmaßnahmen.“ Objekte wie Verkehrszeichen werden erfasst und der Zustand automatisch bewertet. Zudem können im System Maßnahmen geplant und Aufgaben vergeben werden. Mehr als 500 Kommunen in sieben Ländern arbeiten inzwischen mit den Lösungen von vialytics.
Mittlerweile beschäftigt vialytics über 100 Mitarbeitende und hat sich mit der Niederlassung in Paris und dem Markteintritt in die USA zu einem internationalen Unternehmen entwickelt. Wie managt man ein solches Wachstum? Patrick Glaser kennt das Erfolgsrezept: „Man muss auf jeder Position Leute einstellen, die den Job besser machen als man selbst.“